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Unser Logen-Siegel

Das Logen-Siegel der Johannis-Freimaurerloge »Zum flammenden Schwert« lässt sich auf ein damals 165 Jahre altes Freimaurer-Siegel zurückführen. Die Gestalter unseres Siegels haben 1921 damit eine bewusste Verbindung aufzeigen wollen, von der man zu ihrer Zeit zwar wusste, dass es sie geben muss, aber es gab keine historischen Belege. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Freimaurer-Forschung Erkenntnisse zutage fördern können, die die Verbindung unseres Freimaurersystems - »Freimaurer-Orden« - zu den »Harodim-Freimaurern«, »Antients« und zum »Ahiman Rezon« untermauern.

Es gibt eine Gründungslegende an der viele Freimaurer festhalten. Sie lautet: Am 24. Juni 1717 soll sich die erste Großloge der Welt in London durch Mitwirkung von vier Freimaurer-Logen gegründet haben. Sie wird in Historikerkreisen »Premier Grand Lodge« oder die »Moderns« genannt. Die Gründer sahen sich in der Tradition der alten Steinmetz-Bruderschaften. Jedoch ist diese Gründungslegende nicht mehr als nur eine Legende. Heute ist nachvollziehbar, dass sich die moderne Freimaurerei in London zwischen den Jahren 1714 und 1725 von der Steinmetz-Gilde (in London »Mason's Company of London« genannt oder auch als »Operative, or Stone Masons« bezeichnet) losgelöst hat. Sie haben ihre Organisationsform in eine Großloge überführt. Der »Coat of Arms« der Steinmetz-Gilde besteht aus drei Türmen. Das Bild unten zeigt eine Anfangsseite aus dem Konstitutionenbuch namens »Ahiman Rezon« von 1756 auf der in der unteren Hälfte der »Coat of Arms« der Steinmetz-Gilde abgebildet ist.

 

 

Reverend »James Anderson« (1678-1739) wurde von der »Premier Grand Lodge« (Moderns) beauftragt deren »Konstitutionenbuch« zu verfassen. Unter einem Konstitutionenbuch kann man eine Art Sammlung von Legenden, Regeln, Verordnungen, Gebets- und Gesangsbuch verstehen. Es wurde 1723 veröffentlicht und war auch für Nicht-Freimaurer frei zugänglich.

Im 18. Jahrhundert gab es fünf freimaurerische Traditionen auf dem Boden der britischen Inseln. Während sie seit Jahrhunderten parallel und wohl unabhängig voneinander existierten, verursachte das »Konstitutionenbuch« von Anderson einen Eklat zwischen ihren Anhängern. Die Verletzung alter Freiheiten verursachte Proteste insbesondere bei den Logen aus York und Schottland. York und Schottland betrachteten sich als die ältesten Traditionen der Freimaurer.

Die Gründungsdaten der fünf Strömungen zeigen nicht das wirkliche Alter an, sondern nachdem es in London zur Gründung der »Premier Grand Lodge« (Moderns) am ~24. Juni 1717 kam, die behaupteten die älteste Strömung der Freimaurer in der Welt zu sein, entschlossen sich alle anderen Traditionen ihre Strukturen ebenfalls in Großorganisationen zu überführen. Die »Premier Grand Lodge« (Moderns) gründete sich am ~24. Juni 1717 in London. Die »Großloge von Irland« gründete sich am 24. Juni 1725 in Dublin. Die »Grand Lodge of All England« gründete sich am 27. Dezember 1725 in York. Die »Großloge von Schottland« gründete sich am 30. November 1736 in Edinburgh und die »Atholl Grand Lodge« (Antients) am 17. Juli 1751 in London. 

Eine Folge der Proteste gegen das »Konstitutionenbuch« von Anderson war die Gründung der »Atholl Grand Lodge« am 17. Juli 1751, den sogenannten »Ancients« oder »Antients«. »Laurence Dermott« (1720-1791) schrieb eine dem Konstitutionenbuch von Anderson gleich geartete Schrift, die er »Ahiman Rezon« nannte. Es diente den Antients und später auch der irischen Großloge als Verfassung. Laurence Dermott war es, der den Begriff »Moderns« für die »Premier Grand Lodge« prägte, während er für die »Atholl Grand Lodge« - der er angehörte - den Begriff der »Antients« in Umlauf brachte. Die Antients wollten damit deutlich zum Ausdruck bringen, dass ihre Großloge trotz späterer Gründung älter war als die Moderns. Das Konstitutionenbuch »Ahiman Rezon« erschien 1756 in London. 

Die Traditionen der Freimaurer von York namens »Grand Lodge of All England« von 1725 und die der »Harodim« scheinen eng mit einander verwandt oder sogar identisch zu sein. »Harodim« werden die obersten Amtsleute des biblischen Königs Salomos genannt. Von den Freimaurern in York gibt es Akten über eine ältere Freimaurer-Loge um 1700, die vermuten lassen, dass es sie auch schon vorher gegeben haben muss. Die meisten York- und Harodim-Logen gingen schon zu Lebzeiten von Laurence Dermott dazu über, sich der »Atholl Grand Lodge« (Antients) anzuschließen. Einige waren sogar an der Gründung der Antients beteiligt. Gegen 1792, einem Jahr nach Laurence Dermotts Tod, hatten sich fast alle York- und Harodim-Logen den Antients angeschlossen. Das führte schließlich dazu, dass die Yorker »Grand Lodge of All England« als eigenständige Großloge inaktiv wurde. Zu der Zeit verschwand auch die Harodim-Strömung in England.

 

 

Der »Coat of Arms« der Antients zeigt die vier tetramorphen Lebewesen aus dem altestamentarischen Hesekiel-Buch (Kapitel 1, Verse 4-10): Mensch, Löwe, Stier und Adler (siehe oberstes Bild, obere Hälfte). Die später in der christlichen Tradition mit den vier Evangelisten und ihren Evangelien verknüpft wurden. Das Siegel der Antients bestand aus Zirkel und Winkelmaß, wobei das Winkelmaß oben und der Zirkel unten angebracht und mit einem flammenden Schwert darüber versehen war. Die häufigste Darstellung weltweit ist die der Moderns mit dem Zirkel oben und dem Winkelmaß unten. Ein flammendes Schwert spielt dabei keine Rolle. Das Siegel der Antients wurde im »Ahiman Rezon« abgebildet. 1813 vereinigten sich die Moderns und die Antients zur »United Grand Lodge of England« und übernahmen die »Coats of Arms« der operativen Steinmetze und der Antients.

 

 

Als 1921 (165 Jahre später) die Johannis-Freimaurerloge »Zum flammenden Schwert« in Darmstadt gegründet wurde, haben sich die Stifter das oben gezeigte Logen-Siegel erwählt. Wie das Großlogen-Siegel der Antients findet sich neben der gleichen Zirkel- und Winkelmaß-Anordnung das alttestamentarische Flammen-Schwert (1. Buch Moses, Kapitel 3, Vers 24). Es ist jenes Schwert gemeint, das den Paradies-Zugang zum »Baum des Lebens« nach der Vertreibung der Menschen aus dem »Garten Eden« bewachte. Dabei war den Gründungsmitgliedern bewusst, dass mit dem Baum des Lebens auch ein zentrales Element der »Kabbala« angesprochen wird. Umrandet werden die Symbole von einem in sich geschlossenen Seil, das auch als Vereinigungsband verstanden werden kann. Es besteht aus 72 Gliedern oder Knoten und ist eine Anspielung auf die 72 Eigenschaften Gottes aus der Kabbala. Die Kabbala wird ebenfalls im »Ahiman Rezon« von 1756 erwähnt. Das in sich geschlossene Seil ist auch ein Hinweis auf den Ouroboros, der sich selbst in den Schwanz beißenden Schlange, welche eines der wichtigsten Symbole der Alchemie darstellt.

Die Tradition der York- und Harodim-Freimaurer kam wahrscheinlich nach der Vertreibung von König Jakob I. von England mit seinen Anhängern (Jakobiten genannt) nach Frankreich. Dort wurde am 25. November 1737 ein Konstitutionspatent erteilt, welches als Gründungsbeleg des »Schwedischen Ritus« in Stockholm angesehen werden kann. Der Schwedische Ritus und der Freimaurer-Orden, dem die Johannis-Freimaurerloge »Zum flammenden Schwert« in Darmstadt angehört, scheinen demzufolge ihre Wurzeln in der Freimaurerei nach dem System der York- und Harodim-Freimaurer zu haben.

© Giovanni Grippo